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Published on Kasım 19th, 2018 | by Avrupa Forum 3

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Widerstand von der Türkei bis Frankreich – Tuncay Yılmaz

Weil sie sich gewerkschaftlich engagiert haben, sind bisher 132 ArbeiterInnen einer türkischen Fabrik, die zu Yves Roche gehört, entlassen worden. Unter anderem mit einer internationalen Solidaritätskampagne kämpfen die ArbeiterInnen gegen das Unrecht.

In der Flormar-Fabrik, welche zu Kosan Cosmetics gehört und in der Nähe von Istanbul kosmetische Pflegeprodukte herstellt, läuft seit Mai 2018 ein Arbeitskampf der ArbeiterInnen. Die Gewerkschaftsarbeit der Gewerkschaft «Petrol-Is» begann im Januar 2018 bei Flormar, in der 400 ArbeiterInnen tätig sind, und erzielte in kurzer Zeit Erfolge. Innerhalb von zwei Wochen wurden 51 Prozent der Arbeitenden gewerkschaftlich organisiert und im März 2018 erhielten sie Gewerkschaftsberechtigung am Arbeitsplatz.

Flormar ist zwar eine Untergruppe der Kosan Cosmetics, wurde aber im Jahr 2012 zu 51 Prozent vom französischen Kosmetikriesen Yves Rocher erworben. Der eigentliche Besitzer von Flormar ist also Yves Rocher.

Das Management konnte den Beitritt der Gewerkschaft in Flormar nicht akzeptieren und versuchten, die Gewerkschaftsarbeit mit verschiedenen Ausreden zu unterbinden. So wurden als erste Aktion am 14. Mai 11 ArbeiterInnen, die die Gewerkschaftsarbeit geführt hatten, entlassen. Am nächsten Tag wurden weitere ArbeiterInnen entlassen, die während der Teepause ihre entlassenen FreundInnen, die sich als Protest vor der Fabrik versammelten, besuchten.

Der Widerstand der entlassenen ArbeiterInnen vor der Fabrik läuft seit fast 200 Tagen. Während dieser Zeit wurden diejenigen, die bei Ankunft oder Verlassen der Fabrik, bei Teepausen oder im Privatleben Kontakt mit den entlassenen ArbeiterInnen hatten – ihnen gewunken, applaudiert oder gar gezwinkert hatten –, entlassen. Die Gesamtzahl der entlassenen ArbeiterInnen erreicht nun 132.

Rechte respektieren!

Um die Produktion in der Fabrik aufrechtzuerhalten, wurden fast 300 TeilzeitarbeiterInnen aus Subunternehmen eingesetzt. Die Produktionsqualität und Produktivität wurden stark beeinträchtigt.

Der Widerstand bei Flormar, welcher während des Ausnahmezustandes in der Türkei begann, läuft trotz der Aufhebung und der erlassenen Ausnahmezustandsdekreten weiter. Obwohl es ein verfassungsmässiges Recht ist, Gewerkschaftsmitglied zu sein, bemühen sich Staats- und Regierungsbeamte, die auf der Seite des Kapitals stehen, die Widerstandsbewegung so gut wie möglich zu erschweren. Die ArbeitgeberInnen versuchen mit jeglichen Arten von Verboten, Betrug und Einsatz von Staatsbeamten, den Widerstand der Streikenden zu brechen und den Kontakt zwischen den FabrikarbeiterInnen und den Streikenden zu unterbinden.

Die Streikenden haben folgende Forderungen: Berücksichtigung der verfassungsmässigen, gesetzlichen, gewerkschaftlichen und grundlegenden Menschenrechte; alle entlassenen ArbeiterInnen sollen ihre Arbeit wieder aufnehmen können, Aufhebung des Gewerkschaftsarbeitsverbots; alle Rechte der ArbeiterInnen (Abfindung, Kündigungsfrist, Gewerkschaftsrechte usw.) müssen gewährleistet sein.

Inakteptabel!

Petrol-Is, ein Mitglied der globalen Gewerkschaftsföderation IndustriALL, unterstützt die ArbeiterInnen dabei, trotz widriger Bedingungen Widerstand zu leisten. Eine Delegation von VertreterInnen der Gewerkschaft Petrol-Is und Streikenden kamen im September nach Genf und Paris, um eine Reihe von Kontakten aufzubauen, um den Flormar-Widerstand auf die internationale Ebene zu bringen. Die Delegation traf sich auch mit VertreterInnen der Gewerkschaft IndustriALL und der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf und hielt vor dem Geschäft von Yves Rocher eine Pressekonferenz ab. Die Delegation reiste weiter nach Paris, um sich mit der FCE-CFDT-Gewerkschaft zu treffen.

Petrol-Is-Gewerkschafter Süleyman Akyüz, der seit dem Anfang ein wichtiger Anführer des Widerstandes ist, erklärte: «In Flormar wurden die grundlegendsten Rechte der internationalen ArbeiterInnenklasse verletzt. Die Entlassung von ArbeiterInnen, weil sie Gewerkschaftsmitglieder sind, ist in keiner Weise akzeptabel. Der französische Kosmetikgigant Yves Rocher, der einen Anteil von 51 Prozent an Flormar besitzt, ist für diese Gesetzlosigkeit mitverantwortlich. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) muss sofort eingreifen. Internationale ArbeiterInnenorganisationen, insbesondere die französischen Gewerkschaften und die ArbeiterInnenbewegung, müssen auch gegen Yves Rocher kämpfen angesichts dieses fundamentalen Rechtsbruchs. Das grösste Bedürfnis der Flormar-ArbeiterInnen, die ihren Widerstand unter sehr schwierigen Bedingungen aufrechterhalten, ist die Solidarität. Die materielle und moralische Unterstützung unserer Gewerkschaften und SympathisantInnen in diesem Prozess, wird unser grösstes Widerstandsarsenal sein.»

IndustriALL hat eine Petition gestartet, die bereits über 100 000 Menschen unterzeichnet haben. Petition: bit.ly/2PhZu2R

www.vorwaerts.ch

Übersetzung: Seyhan Karakuyu

 

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