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Published on Haziran 25th, 2018 | by Avrupa Forum 2

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Was bedeutet Erdoğans Sieg für Merkel? – Harry R. Wilkens

Sonntagabend um 19:30 saß ich mit zwei jungen Frauen zusammen, einer Slowenin und einer Pakistanerin, deren Meinung zum Wahlausgang derselbe war, was einige Tage zuvor auf Melina Trump’s Parka stand: “Es ist mir so etwas von egal, und dir?”

Bei einem Treffen der AKP zu Beginn des Wahlkampfes hatte Erdoğan verkündet, seine Feinde hätten nur ein Ziel, nämlich ihn und sein Werk zu zerstören. Merkel sagt dasselbe, weil ihr der fette Hintern auf Grundeis geht, obwohl sie schnell Milliarden an ihre “Freunde” verteilt, damit sie – wie ihr Kumpan Erdoğan – “durchregieren” kann… Dazu schickt sie so dubiose Unterhändler – an z.B. Alexis Tsipras – wie ihren SPD-Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der uns von dem Justizskandal um den unschuldigen Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz seit vielen Jahren in schlechter Erinnerung ist.

Erdoğan sagte einmal auf einem AKP-Treffen, dass wenn eines Tages seine Nation sagt “tamam” (türkisch für “genug”) dann werde er von der Macht zurücktreten. Die Reaktion Einwohner der Türkei, die der Macht und des autokratischen Gehabes ihres grusligen Präsidentenclowns überdrüssig sind, kam sofort: In ein paar Stunden wurde Twitter mit kreativen Nachrichten und dem Hashtag #tamam überflutet.

Dieser Hashtag #tamam bzw #genug erschien bisher nur selten auf Deutschlands Wänden, eher #MerkelMussWeg, und Angela Merkel würde ein solches Zugeständnis freiwillig nie machen, aber die Hälfte ihrer Untertanen, inbegriffen die in Deutschland lebenden Türken und Kurden, denken genauso von “Mutti”, nur brachten sie es bisher auf andere Weise zum Ausdruck, aber immer im Hinblick auf nächsten Sonntag, denn dann soll mit der CDU-Kanzlerin wirklich endlich Schluss sein, wenigstens wenn man ihren Innen- und Heimatminister Horst Seehofer und den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder, beide CSU, so hört… Nun aber bekommt sie Aufwind durch Erdoğans Siegestrunkenheit. In Berlin und Bern liegen schon seine Wunschlisten aus, auf denen einige von uns Aktivisten schon seit langem stehen.

Zwar war es diesmal der türkischen Opposition besser gelungen, die Medienblockade zu durchbrechen, denn das Internet ist kein Neuland mehr für sie. Zunächst einmal verwendete man die Google-Suchmaschine so für sich, dass die Medienblockade teilweise durchbrochen wurde und in einigen Fällen für eigene Zwecke – manchmal sehr pikante Manipulationen gegnerischer Propaganda – umfunktioniert werden konnte.

Dies geschah auch für satirische Zwecke. Für Satire, Karikaturen und Humor hat der Korinthenkacker Erdoğan – genauso wie seine deutsche Freundin im Geiste – überhaupt nichts übrig. So kann man in YouTube einen kurzen farbigen und vielfach aufgerufenen Zeichentrickfilm sehen, in dem der islamistische anti-Erdoğan-Kandidat der Saadet Partisi (Partei der Glückseligkeit) Temel Karamollaoğlu, 77, dem in dem Auto “Türkei” den Abgrund zurasenden Erdoğan als türkischer Supermann zu Hilfe kommt, indem er dessen Wagen (ohne Fahrer) rechtzeitig ergreift und durch die Luft in die besseren und freien Jahre vor dessen Machtergreifung schiebt, während Erdoğan die Füsse über dem Abgrund baumeln lässt, – wie er hoffentlich eines Tages selber am Galgen baumeln wird..

Der kurdische HDP-Oppositionspolitiker Selahattin Demirtaş, 45, gehört zu den sechs Kandidaten der Präsidentschaftswahlen und agierte aus seiner Gefängniszelle im Hochsicherheitsgefängnis von Edirne heraus mit Hilfe seiner Anwälte, die auch sein Twitter-Konto weiterbetreiben.
In einem Editorial in der New York Times vom 20. Juni verwarf Demirtaş erneut die gegen ihn vorgebrachten Terrorismus-Beschuldigungen und bestätigte einmal mehr, dass er lediglich in politischer Geiselhaft ist. Antennenzeit bekam die HDP in der Türkei erst seit genau einer Woche vor der Wahl bewilligt, und zwar nur 10 Minuten auf dem öffentlichen Sender TRT, und die anderen politischen Oppositionsparteien nur viel geringere Sendezeiten als Erdoğans Regierungspartei AKP.

Genau wie die Regierungspartei(en) in Deutschland, bekommt die AKP im türkischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen ungemein mehr Zeit (mehr als 67 Stunden!), wohingegen die laizistische CHP (Republikanische Volkspartei) mit ihrem Kandidaten Muharrem Ince in diesem Wahlkampf nur sechs Stunden bekam, die Kandidaten der Iyi Parti (Gute Partei), Meral Akşener, bekam nur 12 Minuten, andere Parteien noch weniger, genauso wie es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Deutschlands üblich ist…

Natürlich besteht ein riesengroßer Unterschied zwischen Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland und in sogenannten “Schurkenstaaten”: Die Wahlergebnisse in der Türkei dürfen von der Opposition und ausländischen Beobachtern angezweifelt werden, und wir wünschen ihnen viel Glück. Allerdings ändert dies überhaupt nichts an der Tatsache, dass die ewige Bundeskanzlerin, die überhaupt keine Abänderung der Gesetze über die überlange Dauer ihrer Amtszeit (!) vorzunehmen braucht, sich jetzt wie Erdoğan auf der Gewinnerseite sieht…

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