Almanya

Published on Ağustos 7th, 2018 | by Avrupa Forum 3

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Iran – Jahrzehnte der Demütigung und Gewalt – Harry R. Wilkens

Im letzten November hatte ich hier schon vom Iran geschrieben, unter dem Titel “Verlorene Generationen.” Aus aktuellem Anlass nahm ich jetzt einige Aktualisierungen vor und präsentiere meinen geschätzten Lesern diesen Text neu, aber mit demselben skandalösen Foto…

Wie in den meisten Diktaturen, Autokratien, und wie man diese Staatsformen nun nennen mag, versteht man unter dem Begriff “verlorene Generation” die junge Bevölkerungsgruppe, die in ihrem bewussten Leben nichts anderes als ein politisches System mit immer demselben Machthaber –oder immer derselben Machthaberin – kennt. So gibt es zurzeit die Generation Merkel, die Generation Erdoğan, die Generation Putin und die Generation Ajatollah. In den USA gibt es wegen der Beschränkung auf eine einzige Wiederwahl – also auf zwei Amtszeiten – solche personenbedingten Abhängigkeiten nicht, wenn man einmal von Dynastien wie die der Bushs absieht.

Dann gibt es seit 1948 die aus Palästina Vertriebenen bzw. die dort noch Überlebenden. Also mehrere Generationen, die nichts anderes als Krieg erlebt haben. Jahrzehnte von Demütigung und Gewalt! Alleine schon die Kinder aus Syrien und dem Irak, die in Ruinen geboren wurden, im Bombenhagel heranwuchsen und nie Frieden kannten, und auch junge Leute aus diesen Gebieten – wie könnten sich diese je im Westen integrieren und nicht auch dorthin Gewalt mitbringen? Ganz zu schweigen von den westlichen Dschihadisten, die von ihren jeweiligen “demokratischen” Regierungen zurückgeholt werden…

Aber ist Frieden wirklich überall besser? Beim Betrachten von Zuschauern – darunter ein etwa vierjähriges Mädchen mit ihrer Mutter – einer Massenhängung im Iran, hat man als ersten Gedanken: wie abgebrüht, wie grausam, müssen diese Menschen sein, von denen immerhin nicht wenige das Alter haben, bei der Machtübernahme durch die Ajatollahs 1979 schon Jugendliche oder gar Erwachsene gewesen zu sein! Der Iran hat überwiegend eine jugendliche Bevölkerung. Und gerade dies sollte uns Angst machen. Ebenso die Propaganda, die uns jetzt diese jungen Leute als “oppositionell” verkaufen will – wie übrigens auch in Saudi-Arabien, wo einige Töchter aus guten Familien jetzt das “neue” saudische Frauenbild im Westen vermitteln sollen.

Natürlich gibt es in jedem noch so totalitären System, sogar in Nordkorea, schwarze Schafe, die sich insgeheim auflehnen – innere Emigranten sozusagen, bevor sie eventuell auch äußere Emigranten werden. Aber inwieweit kann man dann wirklich ein solches grausames System verlassen? Ist dann nicht der Druck auf ihre Angehörigen, die Repressalien bis hin zu Sippenhaft und physischer Vernichtung, zu groß? Wir kennen dieses Problem zu gut aus dem Dritten Reich, aus der DDR, und leider auch aus der Türkei.

Ein Intergenerationen-Dialog kann jedoch schon bei einer einzigen “verlorenen” Generation sehr schwierig werden. Jedenfalls ist in Europa die jetzige junge Generation nicht besonders diskussionsfreudig. Die Furcht vor Repressalien ist zu groß. Diese jungen Leute haben andere Prioritäten – so vor allem die, einen guten und sicheren Job zu finden und nicht von Sozialhilfe abhängig und von Altersarmut bedroht zu sein. Normalerweise denken junge Menschen noch nicht ans Alter, aber dessen Probleme sind ist heutzutage zu allgegenwärtig, um nicht ins Bewusstsein der Jungen zu gelangen…

Den jungen Deutschen fehlt es mehr an Empathie als den vorangegangenen Generationen. Es braucht nicht mehr der Einbettung in die Hitlerjugend oder in den Bund Deutscher Mädchen, um systemkonform zu sein. Damals waren die meisten Jugendlichen fanatisiert, aber heute sind sie – wie ihre in einer korrupten Diktatur aufgewachsene Kanzlerin – emotionslos und unbarmherzig, meist auf sich selber fixiert. Natürlich ist dies auf die allgemeine Krisensituation zurückzuführen, auf ihre ungewisse Zukunft. Aber auch Anfang der 30er Jahre gab es eine Wirtschaftskrise in Deutschland, mit allen grausamen Begleiterscheinungen. Und eine solche Situation haben wir jetzt wieder, und zwar explosiver als sonst, im Iran aufgrund des trump’schen Wirtschafts- und Finanzboykotts.

Zu Zeiten des Kalten Krieges, als es noch klare Fronten gab, und noch nicht die Kooperation verschiedener politischer Systeme, konnte man sich einfach in ein relativ sicheres Land absetzen. Aber welches Land bietet heute noch eine sichere Zuflucht? Schurkenstaaten können unliebsame Journalisten und Oppositionelle mittels Interpol oder auf eine andere Art und Weise mehr oder weniger lange inhaftieren lassen. Während Berlin seine in der Türkei inhaftierten Staatsbürger durch einen mehr oder weniger geheimen Deal zurückholt, liefert es im Gegenzug türkische und kurdische Asylanwärter an Ankara aus. Bern hat schon seit 2015 den in der Schweiz anerkannten kurdischen Asylanten und Familienvater Mehmet Yesilçali auf dem Guthabenkonto gegenüber Berlin und Ankara – mit unerfreulichen Konsequenzen für recherchierende Journalisten.

Dies kann und wird auch mit Flüchtlingen aus dem Iran erfolgen. Seit längerem gibt es exzellente Beziehungen zwischen Teheran und Genf, weswegen es für einen Genfer Journalisten äußerst gefährlich ist, sich zu diesem Thema weiter auszulassen. Der brüderliche Geheimdienst VEVAK ist allgegenwärtig. Eine ähnliche Idylle herrscht zwischen Ankara und Bern. Es handelt sich hier um die Unterwanderung durch den brüderlichen Geheimdienst MIT unter anderem der Schweizer Polizei, ebenso wie um Morde und Mordkomplotte und andere Sauereien. Hauptsache, der Franken rollt weiter. Aus unerfindlichen Gründen findet man im Internet immer noch – in deutscher, französischer und auch englischer Sprache – den exzellenten Schweizer TV-Dokumentarfilm  aus dem Jahre 2011 “Zeuge C – Genf, Stadt der Schatten”, dessen Direktlink zur deutschen Version zurzeit https://www.youtube.com/watch?v=0RxalDqhZpY&feature=youtu.be ist. Bitte nehmen Sie sich die knappe Stunde, um ihn sich in Ruhe anzusehen!

 

Foto: Zuschauer einer Massenhängung im Iran

 

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