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Published on Nisan 21st, 2017 | by Avrupa Forum 3

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Erdoğans Mädchen in Berlin – Merkels Bub in Paris – Harry R. Wilkens

Französische Präsidentschaftsvorwahlen vom 23. April:

Erdoğans Mädchen in Berlin – Merkels Bub in Paris – Harry R. Wilkens

Das Verhältnis zur Türkei und zu Erdoğan ist kein Thema im französischen Wahlkampf – im Gegensatz zum deutschen. Auch bietet er keine echten Alternativen zum Thema EU, d.h. Brüssel und Berlin, wenn man einmal vom Wahlprogramm des Front National von Marine Le Pen absieht. Diese hatte ja auch unmissverständlich gesagt, dass sie nicht Merkels Vizekanzlerin werden will…

Die Franzosen wären sogar fähig, wieder Nicolas Sarkozy zu wählen, wenn er noch zur Wahl stünde. Immerhin wollen viele noch seinen Nachfolger François Fillon, der schamlos korrupt ist und anstatt unter dem Parteinamen UMP sicherheitshalber unter neuer Flagge – “Les Républicains”– antritt. Obwohl François Hollande sich nicht mehr zur Wiederwahl zu stellen wagte, rechnet sich sein ebenfalls Merkel freundlicher früherer PS-Minister Emmanuel Macron unter der eilends für die Wahlen geschaffenen Bewegung “En Marche!” (Los geht’s!)beste Chancen aus.

Der einzige Kandidat, der sich noch zum Parti socialiste von Hollande bekennt, Benoît Hamon, ist faktisch ausgebootet worden. Wesentlich besser ergeht es dem Freimaurer und linken Utopisten Jean-Luc Mélenchon, der sich “La France insoumise” (Das nicht unterworfene Frankreich) auf das rote Banner schrieb, obwohl gerade die Logenbrüder strikten Regeln unterworfen sind…Mélenchon spaltet die Linke, denn echte Kommunisten haben nichts mit Freimaurern gemein.

Aus diesem Grunde trat auch der Autor dieses Artikels hieraus der Schweizer Partei für Arbeit aus, denn er kann den von “Méluche” vergötterten Che, Castro und Chavez nichts abgewinnen. Ich war immer für einen freien Dialog, aber den gibt es nicht mehr im Hype um Mélenchon. Ein Verantwortlicher der Partei der Arbeit empfahl mir folglich: “Wenn Du argumentieren willst, rate ich Dir den Abfalleimer an der Straßenecke…”.

Das Auftreten unter phantasievollen Bezeichnungen anstatt Parteinamen zeigt, dass politische Parteien nicht mehr zählen, auch nicht die Gesäß Geographie links ./. rechts. Heute kann man nur noch unterscheiden zwischen Progressisten und Konservativen.

Das Immigrationsproblem tut ein Übriges: Viele “linke” Wähler laufen zu den “rechten” Parteien über, weil diese die Einwanderung einschränken wollen. Dieses Phänomen haben wir in Frankreich genauso wie in -Deutschland. Und den Front National freut’s. Deswegen heisst die Losung “Voterutile” –  Nützlich wählen, also egal wen wählen, solange es Marine Le Pen als Präsidentin Frankreichs verhindert.

Der39 Jahre junge Favorit Emmanuel Macron hat ein Herz für ältere Damen, da er ja mit einer 24 Jahre älteren Frau verheiratet ist, die also nur ein Jahr älter als die Bundeskanzlerin ist. Auch die Islamfreundlichkeit teilt er mit Merkel, und inzwischen ist auch Erdoğan mehr oder weniger murrend in die Gemeinschaft der Herrschenden aufgenommen worden. Trump setzte das Signal.

Die Franzosen sind der Lügen und leeren Versprechungen müde. Alles hängt von der Wahlbeteiligung im ersten und zweiten Wahlgang ab… Vielleicht wird nur so weitergewurstelt wie bisher in Merkel Deutschland. Oder aber der Front National mischt alles neu auf. Dann kommen auch die Türkei, Erdoğan und Russland wieder auf die Tagesordnung, sowie das Verhältnis zu Deutschland und Europa.

Von der deutsch-französischen Freundschaft ist sowieso nicht mehr viel übriggeblieben. Seit dem zwischen De Gaulle und Adenauer 1963 geschlossenen Elysée-Vertrag wurde die deutsch-französische Staatsgrenze faktisch zur Sprachgrenze. Adenauer war schon damals sauer, dass er über Frankreich nicht an die Atombombe rankam, und über Ben Gurion auch nicht. Die nördliche Hälfte von Afrika ist nicht mehr nur die Spielwiese Frankreichs, sondern auch deutsche Truppen mischen in der Sahel-Zone und anderswo mit.

Die Franzosen wollen sich aus dem deutschen Europa zurückziehen, wie sie es schon 1944 taten, und damals auch andere Staaten. Es gibt einige geopolitische Gegebenheiten, die konstant bleiben – trotz staatlicher Propaganda. Die slawischen Staaten sind das beste Beispiel dafür. Auch Ungarns Orbán lehnt ich auf gegen die Einflussnahme durch George Soros und durch andere ausländische Stiftungen, wie es auch schon Putin tat…

Die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen treten am 7. Mai zur Stichwahl an. Sicherlich wird -Berlin den Sieg Macrons durchsetzen können.

 

21.04.2017

Harry R. Wilkens

 

 

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