Afrika

Published on Kasım 2nd, 2016 | by Avrupa Forum 1

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“Dreckiger Diesel in Afrika” – Von Oliver Classen, Organisation Public Eye

Umweltpolitik

 

 

Dreckiger Diesel in Afrika

A man seen pouring diesel into a container next to power generators at the Area 10 shopping centre in Abuja, Nigeria May 25, 2015. REUTERS/Afolabi Sotunde - RTX1EGZ8

Ein Mann füllt in Abuja, der Hauptstadt von Nigeria, Diesel ab. Foto: Afolabi Sotunde (Reuters)

Dieser Skandal lag lange schon in der Luft, vor allem in jener von Westafrikas rasant wachsenden Metropolen. Anders ist die riesige Resonanz kaum zu erklären, auf die unsere Grossrecherche über das trübe Treibstoffbusiness der Schweizer Rohstoffkonzerne gestossen ist.

Der vieltausendfach geteilte Primeur des «Guardian» markierte Mitte September den Beginn einer von «Le Monde» über «Financial Times» bis zu «al-Jazeera» reichenden Berichterstattung über «Fuel too dirty for Europe sold in Africa».

Diese «BBC»-Schlagzeile bringt auf den wunden Punkt, was die seit Jahrzehnten massiv unter den gesundheitsschädigenden Emissionen von extrem schwefelreichen Treibstoffen leidenden Menschen in Nigeria, der Elfenbeinküste, Senegal oder Mali am meisten erbost: dass ihre Regierungen nichts gegen ein giftiges Geschäftsmodell unternehmen, das regulatorische Doppelstandards schamlos ausnutzt und – nicht zufällig – primär von Genfer Handelsriesen wie Trafigura und Vitol betrieben wird.

Fortschritt in Ghana, Ministerrüge aus Holland

In Ghana zeitigt der steigende Druck einer empörten Öffentlichkeit erste politische Konsequenzen: Am Rande eines Workshops zur Verbesserung der Treibstoffqualität haben die zuständigen Behörden angekündigt, den Schwefelgrenzwert ab 2017 von bisher 3000 ppm (parts per million; Millionstel) auf 500 ppm zu senken.

Das ist begrüssenswert, liegt aber immer noch 50-mal über dem europäischen Standard, der endlich auch für Afrika gelten muss. Kein Wunder, findet auch der Exekutivdirektor vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), Erik Solheim, dieses Big Business «schlicht inakzeptabel».

Auch in den Niederlanden sorgten die (für viele Menschen offenbar neuen) Fakten zur in Amsterdam und Rotterdam konzentrierten Produktion der toxischen Treibstoffe und deren Export nach Afrika für Aufruhr. Die holländische Handelsministerin Lilianne Ploumen etwa betrachtet das nach örtlichen Gesetzen zwar legale, aber illegitime Geschäftsmodell der Rohstoffhändler als «schwerwiegenden Skandal».

Zahmer Bundesrat, zaudernder Branchenführer

Und in der Schweiz? Der Bundesrat stellte in seiner Antwort auf eine Anfrage der Genfer Nationalrätin Lisa Mazzone (Grüne) klar: Hier domizilierte Unternehmen haben ihre soziale Verantwortung (CSR) so wahrzunehmen, wie es die UNO-Leitprinzipien für Unternehmen und Menschenrechte fordern.

Demnach müssen Firmen in Staaten, deren Umwelt- und Gesundheitsstandards die Einhaltung der Menschenrechte nicht gewährleisten, bei ihren Aktivitäten über die dort geltenden Gesetze hinausgehen, um die Rechte der Menschen zu schützen. Doch was tut Trafigura-CEO Jeremy Weir, der von bislang über 17’000 Unterzeichnenden per Petition aufgefordert wird, seinem CSR-Führungsanspruch endlich Taten folgen zu lassen? Er versteckt sich, wie branchenüblich, hinter der Einhaltung sackschwacher staatlicher Standards in den betroffenen Ländern.

Ein weiterer Schritt vor oder zwei zurück?

Deshalb bekommt Weir nächste Woche Besuch von einem Container aus der ghanaischen Hauptstadt Accra. Darin steckt etwas von jener Dreckluft, zu deren Verursachung sein Unternehmen dort massgeblich beiträgt. Vor genau zwei Jahren hatte Trafigura noch mit der Ankündigung verblüfft, man werde – freiwillig! – Zahlungen an Regierungen offenlegen. Und damit eine langjährige Transparenzforderung der globalen Zivilgesellschaft erfüllen.

Nun ist es wieder November. und Trafigura hat die Chance, beim täglich Menschenleben kostenden Dirty-Diesel-Problem seine Mitbewerber weiter unter Druck zu setzen. Und so, als «First Mover», mit einem Reputationsgewinn aus dieser Skandalgeschichte hervorzugehen.

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