Suriye

Published on Şubat 10th, 2018 | by Avrupa 5

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»Der Widerstand hier wird weitergehen« Interview: Peter Schaber

Der türkische Angriffskrieg gegen das nordsyrische Afrin dauert an. Doch die Zivilbevölkerung lässt sich nicht vertreiben. Gespräch mit Siya Nebi

Sie arbeiten seit einigen Tagen direkt in der Provinz Afrin, gegen die sich die Aggression Ankaras richtet. Wie stellt sich die militärische Lage aus Ihrer Perspektive dar?

Wir versuchen, uns einen Überblick zu verschaffen, aber manche Gebiete sind schwer zugänglich. Für die vergangenen zwei Tage kann ich sagen, dass es in den Gegenden um Bilbile, Siye und Rajo Gefechte gab. Dabei wurde in einem Dorf bei Bilbile ein Söldner der Nusra-Front verwundet und verhaftet. Sein Name ist Abdul Kader Ismail. Auch in Kevire Ker gibt es Auseinandersetzungen. Dabei wurden militärische Fahrzeuge zerstört. Die Kämpfe dauern an, es wird ständig bombardiert.

Bislang gibt es keinerlei Änderung in der Haltung internationaler Mächte oder der Anti-IS-Koalition, die die Türkei gewähren lassen. Aber die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ sowie die Syrischen Demokratischen Kräfte, SDK, leisten erbitterten Widerstand. Dieser nehme, so versichern uns Kämpfer dieser Formationen, derzeit eher noch zu. Die Motivation der Verteidiger Afrins ist sehr hoch. Ebenfalls hoch sind die Verluste bei den Angreifern. Die genauen Zahlen sind kaum herauszufinden, aber deutlich ist, dass die türkischen Medien da stark manipulieren.

Wie reagiert die lokale Bevölkerung? Wir haben ja die Bilder großer Demonstrationen gegen den türkischen Einmarsch in den letzten Tagen gesehen …

Wir haben hier ständig Kontakt mit der Zivilbevölkerung. Die Stimmung unter den Menschen ist sehr kämpferisch. Vor allem in Afrin-Stadt geht das normale Leben fast ungebrochen weiter. Ein Unterschied ist, dass einige Familien mehr hier sind, nämlich die aus jenen Dörfern, die ständig bombardiert werden und in denen man nicht bleiben kann. Es gibt in Afrin auch keine Panik. Die Bevölkerung ist gut organisiert und verfolgt natürlich, was passiert. Schon deshalb, weil ja aus beinahe jeder Familie Verwandte an der Front kämpfen.

Aber natürlich hat der Krieg auch Auswirkungen auf das zivile Leben. Die Schulen mussten geschlossen werden. Die Kinder beschweren sich zwar darüber, aber sogar sie sind in der Lage, die Situation zu verstehen. Die Familien reagieren darauf, indem sie in den Kommunen oder in den eigenen Häusern den Unterricht der Kinder fortsetzen.

Die Solidarität unter den Menschen Syriens ist auch hervorzuheben. In den vergangenen Wochen sind von überallher Kurden, Assyrer, Araber gekommen: Aus Kobani und Derik, aus Manbidsch und Rakka. Auch das hat eine große Wirkung auf die lokale Bevölkerung.

Immer wieder gibt es Berichte von Menschenrechtsverstößen der türkischen Truppen. Wie führt Ankara diesen Krieg?

Was die Türkei hier tut, liegt offen zutage. Es wurden Videos veröffentlicht, die etwa zeigen, wie türkische Soldaten Leichen gefallener YPG- und YPJ-Mitglieder schänden. Außerdem werden Waffen eingesetzt, deren Wirkungsweise Napalm ähnlich ist. Hierfür gibt es Augenzeugen. Auch die Ärzte, die Verletzte dieser Angriffe behandelt haben, sagen, dass irgendeine unkonventionelle Waffe eingesetzt wurde. Was auch immer da benutzt wurde, wird weiterhin benutzt. Bis jetzt konnte man aber nicht konkret zuordnen, was hier eigentlich genau eingesetzt wird.

Bei den Angriffen auf grenznahe Dörfer sind zudem viele Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder, ums Leben gekommen. Die türkische Propaganda behauptet, hier die Sicherheit ihres eigenen Landes gegen irgendwelche »Terroristen« zu verteidigen. Das ist natürlich nicht der Fall. Sie greifen die Menschen an, die hier leben: Kurden, Araber, verschiedene andere Volksgruppen.

Noch hält Afrin stand. Aber wie wird die Lage sich entwickeln? Denken Sie, Erdogan wird den Rückzug antreten?

Das ist eine Frage, die sich alle stellen. Die kurdische Bewegung spricht vom »Dritten Weltkrieg«, der sich hier in der Region abspielt, weil so viele verschiedene Kräfte hier versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Die Beziehungen zwischen den imperialistischen Kräften hier sind auch andauernden Veränderungen unterworfen. Das macht es schwierig, einzuschätzen, was passieren wird. Das einzige, was man sagen kann: Der Widerstand hier wird bis zum Ende weitergehen.

Quelle:jW

 

 

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