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Published on Ocak 26th, 2019 | by Avrupa Forum 3

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Davos und Europa verwelken – Harry R. Wilkens

Die Woche des 21. Januar war nicht nur eine herbe Enttäuschung für die Davoser Hoteliers, Restaurants, Boutiquen und Edelnutten. Aber die ausländischen Privatjet-Vermieter machten wieder Kasse mit dem Weltwirtschaftsforum (WEF). Und von Zürich aus kamen die Helikopter mit den Mächtigen und Reichen, den Stars der Unterhaltungsbranche und den üblichen Trophäenfrauen und Escort-Girls, die für den Glamour sorgen. Jedoch keine Melania oder Ivanka, sondern nur das verwelkte Duo und Duett Angela und Annegret, wobei die Erste sich in Englisch und Russisch ausdrücken kann, und die Zweite sogar in Französisch.

Aber in Wirklichkeit erhofften alle Journalisten beim WEF die Präsenz des smarten 32-jährigen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz, der Spezialist in Welthandels- und Flüchtlingsfragen. Der neue, ultrarechte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro suchte Investoren, die die Natur seines “Neuen Brasiliens” noch mehr zerstören. Aber die Hauptsorge der Lateinamerikaner ist eine mögliche Intervention von transgenderfreien US-Truppen wegen Venezuela… Es kam zu einem Streit zwischen Erdoğan und dem israelischen Präsidenten Shimon Peres wegen Gaza und zum üblichen virilen Techtelmechtel zwischen Putin und seinen um einen Kopf größeren Trophäenmann Erdoğan, Die Tribune de Genève betitelte die deutsche Bundeskanzlerin als “Mary Poppins” dieses Weltwirtschaftsforums, und nach ihrem üblichen nichtssagenden Pep-Talk entschwebte die deutsch-europäische Fee gen Norden.

Supporters of the ruling Justice and Development Party, or AKP, wave Turkish flags outside the Ataturk International Airport in Istanbul, Turkey, early Friday, Jan. 30, 2009, as they wait for the arrival of the Prime Minister Recep Tayyip Erdogan, who they see as a hero for stalking out of a panel at the World Economic Forum in Davos, Switzerland, after indicting Israeli President Shimon Peres for Israel’s offensive on Gaza. (AP Photo/Ibrahim Usta)

Die EU-Parlamentswahlen vom 23. bis 26. Mai mobilisieren vor allem die rechten Gegner der EU, die Rechtspopulisten (insbesondere in Frankreich, Deutschland, Belgien, in den Niederlanden, in Dänemark, Schweden, Estland, Lettland, Polen, in der Tschechischen Republik und Slowakei, in Ungarn, Österreich, Slowenien und Italien). Endlich soll Schluss sein mit dem skandalösen Lohndumping dank meist osteuropäischer Fremdarbeiter, die völlig legal viel niedriger entlohnt werden als die Einheimischen. Trotzdem ist bei diesen Rechtspopulisten nicht mehr unbedingt die Rede davon, aus der EU oder wenigstens aus der Eurozone auszutreten. Auch die französischen Gelbwesten wollen bei diesen Europawahlen kandidieren…

Den kompletten EU-Austritt hatte Großbritannien mit seinem Brexit geplant, der natürlich noch vor den jetzigen EU-Parlamentswahlen erfolgen müsste oder muss… Die Europäer würden dank Brexit, Trump und Nahost und Golfstaaten von ihren wahren Problemen abgelenkt. Eigentlich sollten sich die Völker lieber in einer Großmacht Europa zusammenschließen, die ernst genommen wird – mit eigener Armee und vielleicht eines Tages mit einer einzigen telefonischen Vorwahlnummer, um endlich auch von den USA ernst genommen zu werden.

Der frühere AfD-Landes- und Fraktionschef von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, twitterte zum Ausklang des letzten Jahres: die “deutsche Volksgemeinschaft” habe das “Erbrecht der friedlichen Koexistenz in Europa” und wünschte ein “kämpferisches und patriotisches 2019”. Dies war ganz im Sinne des CDU-Fraktionschefs Volker Kauder, dessen Feststellung auf einem CDU-Parteitag 2011 “Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen” in verschiedenen Zitat-Versionen der Welt Angst machen sollte… Poggenburg gründete eine neue Partei, “Aufbruch deutscher Patrioten”, mit einer Kornblume als Symbol. Diese war in den Dreißigerjahren das Erkennungszeichen der damals verbotenen Nationalsozialisten Österreichs.

Die erste europäische Verkehrs- und EU-Sprache war Französisch und blieb es, trotz des von den Nationalsozialisten gehegten Europa-Wahns, und sie blieb es auch unter dem Anhänger dieser Idee, dem ersten EWG-Präsidenten Walter Hallstein. Aber inzwischen wurde sie zu Englisch – und die EWG großspurig zur EU – und wird es auch nach dem Brexit bleiben, ungeachtet einer eventuellen Mitgliedschaft Russlands. Denn ein klassisches Europa ohne Russland und seinen osteuropäischen Satelliten, den drei baltischen Staaten, Weißrussland, Ukraine und die kaukasischen Staaten, wird wohl schwerlich realisierbar sein.

Ich arbeitete 1967-68 in der Brüsseler EWG-Kommission, wo dank alter homosexueller Seilschaften Funktionäre aus der Vichy- und NS-Administration übernommen worden waren, oder zumindest unter Hitler und Pétain in die Schule oder Universität gingen. Ich fühlte mich dort sehr unwohl… Etliche Jahre später ließ ich mich auf Drängen französischer und deutscher Autonomisten auf die deutsche Liste zu den allerersten Europa-Parlamentswahlen setzen. Im Laufe der Zeit erkannte ich ohnehin, wie andere EU-Gegner, dass Junckers EU zutiefst undemokratisch ist, weswegen die vernünftigsten Politiker der Schweiz, deren Staatsbürger ich seit über 20 Jahren bin, gegen einen EU-Beitritt sind…

Europa ist im Grunde noch immer zweigespalten, entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs… Zudem sind sich Deutsche, Polen, Briten, Franzosen und Italiener immer noch spinnefeind – und die massive Einwanderung aus slawischen und albanisch- und rumänischsprachigen Ländern ändert nichts an dieser historischen Tatsache, die noch durch das linguistische Handicap der Deutschen verstärkt wird… Die Migrationsprobleme sind nur ein Vorwand, in Wirklichkeit geht es um die Abschaffung der Demokratie.

Der Publizist und Polemiker Wolfgang Pohrt (1945-2018) schrieb einst über die deutsche Heuchelei:” Früher haben die Deutschen der Welt den Krieg erklärt, heute erklären sie ihr den Frieden.” Und er schuf den passenden Slogan dazu: “Ein Volk, ein Reich, ein Frieden.” Es gab genug Kritiker der im Grunde deutschnationalen Friedensbewegung, der deutschen Ökologen und sühnestolzen Betroffenheitsdeutschen, aber sie blieben meist unbekannt, wenn sie es nie in Diskussionsrunden und Talkshows schafften und nie mit Buchpreisen und Orden ausgezeichnet wurden.

26.01.2019

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