Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist eines der markentesten Gebäude der Stadt Basel. Was im rund 70 Meter hohen Turm beim Bahnhof SBB passiert, dringt allerdings kaum nach draussen. Das Gebäude ist eine Hochsicherheitszone. Zutritt haben nur die rund 600 Angestellten der BIZ. Sie geniessen diplomatischen Schutz. Das Hochhaus selber ist exterritoriales Gelände, gehört also rechtlich nicht zur Schweiz, vergleichbar mit einer Botschaft. Die Behörden dürfen den Turm nur betreten, wenn der Präsident oder der Generaldirektor der BIZ die Erlaubnis erteilt. Bei der Basler Polizei ist nicht einmal definitiv bekannt, wie viele Waffen sich in dem Gebäude befinden. Dem Vernehmen nach dürften es sehr viele sein.

In der Öffentlichkeit erscheint die Bank nur selten – und wenn, dann geht es meist um hochkomplexe Wirtschaftsfragen. Dann fallen Begriffe wie Eigenkapitalbasis oder Prozyklität. Vereinfacht formuliert ist die BIZ ein Kontroll- und Steuerungsorgan, in dem die internationalen Notenbanken ihre Politik koordinieren. Gleichzeitig agiert sie auch als Bank für die Notenbanken. Und in dieser Rolle gerät Basel in den Dunstkreis eines der momentan umstrittensten Regierungschefs.

Gold wird repatriiert

Aufgrund der geopolitischen Lage hat die türkische Nationalbank seit einigen Monaten ihre Fremdwährungsreserven nach und nach abgestossen und dafür ihr Golddepot massiv aufgestockt. Vor allem ihre US-Dollars will die Nationalbank loswerden. Der Grund dürfte in den aktuellen Spannungen zwischen der Türkei und den USA liegen. Verschiedene Medien vermuten vor allem politische und weniger wirtschaftliche Hintergründe. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, welcher die Nationalbank stärker kontrollieren will, plant offenbar, sein Land so unabhängiger von den Interessen der USA zu machen.

Auch eine Rolle dürfte der Aufsehen erregende Prozess gegen den türkischen Banker Hakan Atilla spielen. Der stellvertretende CEO der staatseigenen türkischen Halkbank wurde diese Woche in New York zu einer Haftstrafe von 32 Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er dem Iran geholfen habe, Sanktionen zu umgehen. Erdogan selber soll mehrfach auf höchster politischer Ebene versucht haben, den Prozess zu stoppen.

Gleichzeitig mit der Aufstockung der Goldreserven zieht die türkische Nationalbank ihr Edelmetall aus den USA ab. Wie die «NZZ» kürzlich berichtete, hat die Türkei ihre gesamten Goldvorräte aus dem Tresor der US-Notenbank – also aus dem sagenumwobenen Fort Knox – geholt. Sie sollen künftig bei der Bank of England und der BIZ deponiert werden. 18,7 Tonnen Gold sollen in die Schweiz gebracht worden sein, berichtet die amerikanische Newsseite «Al-Monitor», die schwerpunktmässig über den Mittleren Osten berichtet: Insgesamt seien rund 28,6 Tonnen Gold aus den USA geholt worden. Total würden die Reserven mittlerweile über 560 Tonnen umfassen. Zum Vergleich: Die Schweizer Nationalbank hortet fast das Doppelte. Über die Hälfte des türkischen Golds befindet demnach sich bei der Bank of England.

Ein halber Schiffscontainer Gold

Die BIZ gibt auf Anfrage nur allgemeine Antworten, weist aber darauf hin, dass in Basel kein Gold gelagert werde. Die Bank nutze selber die Infrastruktur verschiedener Nationalbanken für ihre Einlagen. Informationen zu einzelnen Ländern würden nicht erteilt. Aber grundsätzlich könne sie Aufgaben als Treuhänder oder Pfandhalter im Zusammenhang mit internationalen Finanztransaktionen wahrnehmen, so die Bank.

Einen gewissen Einblick gibt der Jahresbericht der BIZ. Ende März 2017 beliefen sich ihre Einlagen demnach auf insgesamt 204 Milliarden Sonderziehungsrechte (SZR). Dabei handelt es sich um eine festgesetzte, künstliche Währung. Der Umrechnungskurs in Franken liegt bei 1,43, was ein Vermögen von rund 292 Milliarden bedeutet. Bei rund fünf Prozent handelt es sich um Goldeinlagen. Umgerechnet entspricht dies einer Menge von 363 Tonnen. Das tönt nach einer unglaublichen Menge, füllt aber vom Volumen her knapp einen halben Schiffscontainer.