Halklar ve İnaçlar

Published on Nisan 27th, 2018 | by Avrupa Forum 3

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70 Jahre Israel und Naqba Deutschland trägt Kippa und Kruzifix – Harry R. Wilkens

Als vor einigen Tagen der neue bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wie in einem Dracula-Film mit dem Kruzifix in der Hand drohte, dass ab 2. Juni in allen bayrischen Behörden (womöglich wieder in Gerichten und Schulen?) das Kruzifix aufgehängt werden soll, und zugleich die Aktion “Berlin trägt Kippa” stattfand, die scheinheilig auch in deutschen Städten befolgt wurde – sogar von Muslimen, die sich auch als solche zu erkennen geben, beschlich die Juden, die Muslime und andere religiöse und ethnische Minderheiten wieder ein ungutes Gefühl, wie bei allen von oben dekretierten, den deutschen Konsens bestätigenden Aktionen und Haltungen, besonders den seit 1933 oktroyierten…

Sogar im Bundestag wurde noch am nächsten Tag von manchen Goyim die Kippa getragen. Im Grunde geht es nicht um die Juden, sondern um die Beziehungen zu Israel. Und wie man vor einigen Tagen beim Bern-Besuch des sich Anfang und Mitte der 2000er Jahre im Polit- und Justizskandal um den Deutschtürken Murat Kurnaz als ausgesprochen turco- und islamophob erwiesenen jetzigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD) sah, werden solche “bilateralen” Beziehungen, zu denen auch die “deutsch-französische Freundschaft” gehört, am besten durch den Song des franco-jüdischen Sängers Serge Gainsbourg ausgedrückt: “Je t’aime, moi non plus/Ich liebe Dich, ich Dich auch nicht.”

Die Rache der Antisemiten folgte auf dem Fuß: Es wurde sofort wieder aufgewärmt, dass der superreiche deutsche Filmproduzent Artur Brauner, geb. Abraham Braune aus Lodsch, ein “gewiefter Steuerhinterzieher” ist… Das erinnert doch irgendwie an die Kampagne gegen den Hollywood-Tycoon Harvey Weinstein (“Winesteen”), den nur politisch Unkorrekte und “Antisemiten” genauso wie die Juden “Weinstein” aussprechen…

Da allerdings diese Kippa-Aktion, mit der schnöder jüdisch-christlicher Mammon gemacht wurde, mit dem Schwenken von israelischen Fahnen einherging, mit denen ebenfalls Zaster gemacht wurde, stellt sich die folgende Frage: Wie würde eine entsprechende Aktion für die viel zahlreicheren muslimischen Araber und Maghrebiner, ja für die Türken und Juden aussehen? Würden dann “unsere lieben Mitbürger”, oder was zu denen gezählt wird, mit der grünen saudi-arabischen oder gar schwarzen IS-Fahne oder der roten türkischen Fahne sowie mit AKP-Emblemen durch Deutschlands Städte ziehen?

Ich bin Jahrgang 1945, und in meiner Stadt gaben sich die Juden (durchwegs Aschkenasen) als solche nicht zu erkennen, ausgenommen die Älteren, die meist den Hut aufbehielten; und die seltenen Muslime ohnehin nicht. Die Kippa hieß bei uns Keppl bzw.. jiddisch Jarmulke, und wurde bei uns sowieso nur beim Gebet, im Gottesdienst, sowie in den wenigen noch existierenden Synagogen getragen… Ein wenig anders ist es bei den Sepharden in Marokko und in den Mittelmeerstaaten…

Unter anderem in Twitter fand ich viele missbilligende Reaktionen von Deutschen, so zum Beisiel dass man anstatt des Kruzifixes lieber überall nützlichere Feuerlöscher aufhängen sollte, und dass man mit dem Geld der später unnützen Kippas und Flaggen lieber Synagogen restaurieren und/oder es nach Gaza schicken möge. Der FDP-Vorsitzende Lindner, immerhin mit Vornamen Christian, brachte es mit folgendem Tweet auf den Punkt: “Wie der Markus Söder und die CSU Religionen permanent für die Parteipolitik instrumentalisieren, das erinnert geradezu an Erdoğan. Das Grundgesetz hat keine Konfession.”

Und Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, meint und warnt: “Solche Symbole sind wichtig. Sie genügen aber nicht. In der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft sollte jeder sein Verhalten im Alltag selbstkritisch hinterfragen. Wir sollten auch genau hinschauen, wer solidarisch die Kippa aufgesetzt hat – und wer nicht. Fanatisierte muslimische Jugendliche werden wir mit der Aktion ebenso wenig erreicht haben wie Neonazis. Hier sind viel mehr und nachhaltigere Maßnahmen notwendig. Solidarität brauchen wir weiterhin. Von den Menschen, die im Café sitzen und beobachten, wie ein Jude angegriffen wird. Ob sie ihm helfen und eingreifen – das ist entscheidend. Nicht ihre Kopfbedeckung.”

 

27.04.2018

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